»die erde spricht«

was sagt uns joseph beuys heute?

Wie wird Joseph Beuys im Jahr 2021 bewertet? Wie werden seine Ideen zu Kunst, Kapitalismus, Demokratie und Klima in unterschiedlichen Kulturräumen aufgenommen? Sind seine Ideen durch seine Selbstmythologisierung kompromittiert? Spielt er für die heutige Generation von Künstler*innen überhaupt eine Rolle? 10 Stimmen von namhaften Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Schriftsteller*innen aus Deutschland sowie Aktivist*innen, DJs, Künstler*innen aus 14 verschiedenen Ländern weltweit bieten Antworten auf diese Fragen sowohl aus deutscher als auch aus internationaler Perspektive. Die neue Podcastfolgen erscheinen wöchentlich. Hören können Sie diesen Podcast überall, wo es gute Podcasts gibt, zum Beispiel bei spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, bei Amazon Music oder Deezer. Und dort können Sie uns auch abonnieren.

Die Produktion des Podcasts ist eine Kooperation zwischen »beuys2021« unter kuratorischer Leitung von Catherine Nichols (für die deutschen Folgen) und dem Goethe-Institut (für die internationalen Folgen). Die ersten zwei Folgen entstanden in Kooperation mit dem WDR.

Media Accordion
ela kagel 6. okt 2021

demokratie, kunst und kapital [de]

Auf dem Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus wurden, rückgreifend auf Beuys’ Idee der Sozialen Plastik, unter dem Titel »Plastische Demokratie. Die Formen des ›Wir‹« von Anfang Juni bis Ende September 2021 wegweisende radikaldemokratische Modelle erforscht und verglichen. Ela Kagel – ehemalige Programmkuratorin für das „Transmediale Festival für Kunst und digitale Kultur“ in Berlin und Mitbegründerin der Berliner Projekt-Plattform für Digitale Kultur und Kooperative Wirtschaft namens SUPERMARKT – hat sich dort mit Stadtgestalter/innen getroffen. Mit ihnen sprach sie über besondere kulturelle Orte und Freiräume. Und über Strategien, mit denen sie dem wachsenden Druck der Kapitalmärkte widerstehen können.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021«

Janis Rafa und Jennifer Nelson 29. sep 2021

Alles befindet sich im Wandel [en]

Die Beziehung zwischen Tier und Mensch war ein wichtiges Thema in der künstlerischen Arbeit von Joseph Beuys. In seinen Werken wurden Tiere sogar immer wieder zu Gesprächspartnern. In dieser Folge untersuchen die in Athen lebenden Künstlerinnen Janis Rafa und Jennifer Nelson die biologischen, ethischen und philosophischen Dimensionen unserer Beziehung zu Tieren. Dabei gehen sie von Videokunstwerken aus, die sie kürzlich für das Projekt »Everything Is in a State of Change« geschaffen haben: ein vom Goethe-Institut Athen organisiertes Projekt, das sich auf das Werk von Joseph Beuys bezieht.

Diese Sendung ist eine Produktion des Goethe-Institut in Kooperation mit »beuys 2021«.

stipendiat*innen der heinrich-böll-stiftung 22. sep 2021

POLITIK MIT BEUYS. NIESELREGEN UND UTOPIE [DE]

Joseph Beuys war politisch sehr aktiv. Doch sein politisches Interesse galt offensichtlich nicht der institutionalisierten Parteipolitik. Seine Ideen radikaler Mitgestaltung, direkter Demokratie und der künstlerisch politischen Intervention waren damit nicht vereinbar. Wie tragfähig sind aber Beuys’ radikale demokratische Ideen? Wieviel Potenzial steckt in der von ihm selbst entworfenen Idee einer »plastischen Demokratie«? Und wieviel Kunst verträgt Politik? Fragen, die Ende August 2021 im Düsseldorfer Schauspielhaus die Veranstaltung »Kunst, Politik und Partei« in Performances und Podiumsdiskussionen stellte – mit Teilnehmer*innen wie dem Mitbegründer der Grünen Lukas Beckmann, dem Beuys-Freund Johannes Stüttgen, der Expertin zu Direkte Demokratie Claudine Nierth, Vertreter*innen der Hip-Hop-Partei »Die Urbane« und dem Gründer der Bergpartei Jan Theiler alias Pastor Leumund. Im Publikum dabei waren fünf Stipendiatinnen und Stipendiaten der Heinrich Böll Stiftung und der Hörfunkjournalist Gerd Brendel. Ihr Bestandsaufnahme liefert die Folge »Politik mit Beuys. Nieselregen und Utopie«.

diese sendung ist eine produktion der  heinrich-böll-stiftung in kooperation mit  »beuys 2021«. 

Amina Aziz 15. sep 2021

»Ich denke sogar beim Zähneputzen an Oury Jalloh« [de]

In seinem Werk idealisierte Joseph Beuys die Figur des Nomaden. Er sah ihn als den Prototypen eines Menschen, der eingefahrenes Denken aufbrechen und die Grenzen zwischen Wissenschaft, Spiritualität und Kunst überschreiten kann. Doch was hat diese Idealisierung des unabhängigen, nichtsesshaften Menschen mit der tatsächlichen Lebenswelt derjenigen Menschen zu tun, die gezwungen sind zu wandern oder zu flüchten? Für wen gilt das Recht auf ein sicheres Leben in Deutschland?

Die Journalistin Amina Aziz spricht in dieser Episode mit Freunden und Freundinnen von Menschen, die Opfer tödlicher rassistischer Angriffe geworden sind. Oury Jalloh, Kiomars Javadi und Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân – die Autonomie, die Beuys »seinem Nomaden« zuschreibt, scheinen diese Menschen nie gehabt zu haben. Auch posthum in der Aufarbeitung ihrer gewaltsamen Tode nicht.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021«

Som Supaparinya 8. sep 2021

»Speeches of the Unheard« [en]

In dieser Folge hören wir uns das Klangkunstwerk »Speeches of the Unheard« der thailändischen Künstlerin Som Supaparinya an. Für dieses Werk hat sie die Reden und Gedichte thailändischer Dichter*innen sowie politischer und Menschenrechtsaktivist*innen in den Gesang der in Thailand heimischen Vögel übersetzt; oder in »die Stimmen der Vögel und Krähen«, wie es in einer thailändischen Redewendung heißt. Diese Redewendung umschreibt die Abwertung der Worte anderer als bedeutungslos – genau wie die Stimmen der vielen politischen Aktivisten in Thailand, die von den Behörden ignoriert und sogar zum Schweigen gebracht werden.

Der eigentliche Wortlaut der verwendeten Reden und Gedichte sowie weitere Informationen zu Som Supaparinyas Werk »Speeches of the Unheard« sind hier zu finden: http://atelierorange.info/wp-content/uploads/2021/09/Speeches-of-the-Unheard-description_2021.pdf

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021«.

Luchezar Boyadjiev 1. sep 2021

Oubliez Beuys! Не забудьте Joseph-а! [en]

»Vergiss Beuys! Vergiss Joseph nicht!«. So lautet der Titel dieser Episode von »Die Erde spricht«. Es handelt sich um eine Klangcollage, die aus den Stimmen von acht bulgarischen Intellektuellen und Künstler*innen verschiedener Medien zusammengesetzt ist. Der in Sofia lebende Künstler Luchezar Boyadjiev hat sie zu einer ebenso unterhaltsamen wie überraschenden Sammlung von Bonmots und Statements orchestriert. Und eines wird bei dieser rigorosen Befragung immer wieder deutlich: »Beuys« hat den etwas zweifelhaften Status eines männlichen Kunst-Superstars des zwanzigsten Jahrhunderts. Jahrhunderts. »Joseph« hingegen ist der Erfinder von Praktiken und Ideen, die immer wieder zu neuen Befragungen, Methoden und künstlerischen Praktiken anregen können, die bedeutende gesellschaftliche Auswirkungen haben — sei es auf bestimmte Orte und lokale Kontexte, sei es auf die Kunst im Allgemeinen.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021«.

Alioum Moussa 4. aug 2021 

Maroua, Honig, Mythologie. Oder die Mythopoetik der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln [en/fr]

Der kamerunische Maler, Bildhauer und Performance-Künstler Alioum Moussa nimmt uns in dieser Folge von »Die Erde spricht« mit auf eine Reise. Eine akustische Reise von seinem Zuhause in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, nach Maroua, seinem Geburtsort im hohen Norden des Landes —  und eine Reise zu den Grundlagen seiner Poetik. Warum Kunst machen? Für wen? Und wovon? Fragen, die — wie Alioum Moussas Klangkunst-Essay deutlich macht — nicht zu trennen sind, wenn Kunst sinnvoll sein soll. »Mythopoetisc« — so nennt Alioum Moussa den Ansatz seiner Kunst. Sie besteht darin, aus Mythen und mythisch aufgeladenen Materialien wie Bienenwachs, Honig oder Erde, die für ihn und die Menschen in seinem Umfeld bedeutsam sind, Energie für die eigene Arbeit zu schöpfen. Ein Ansatz, den auch Joseph Beuys vertrat und der in Afrika, zumindest in Kamerun, immer wichtiger zu werden scheint.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021«. 

florian malzacher, Robo Švarc und Michal Hvorecky 28. jul 2021

Malzacher: Ich glaube an die performative Kraft [de]

Joseph Beuys’ künstlerische Praxis war eng mit der politischen Aktion verbunden. Er verlegte seine künstlerische Praxis aus dem Atelier in das soziale Miteinander. In den ohnehin politisch turbulenten Siebzigerjahren passte diese Haltung durchaus ins Bild. Aber wie steht es heute mit der politischen Kunst? Entsteht in unserer ebenfalls aufgeheizten Zeit eine neue Lücke für sie? Darüber unterhalten sich in dieser Episode von „Die Erde spricht“ der Maler, Performer, Übersetzer, Autor und Kurator Robo Švarc und der Autor, Übersetzer und Bibliothekar Michal Hvorecky mit Florian Malzacher. Florian Malzacher ist Kurator, Dramaturg, Autor und Gastprofessor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität in Gießen und arbeitete unter anderem mit der politischen Theatergruppe Rimini Protokoll zusammen.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« .

max czollek 21. jul 2021

Beuys will be Beuys. Beuys will be deutsch. Einige Gedanken über Kunst im postnationalsozialistischen Deutschland [de]

Das »Phänomen« Joseph Beuys als Ausdruck einer postnationalsozialistischen Hoffnung? Der Hoffnung, dass aus dem schlechten Alten etwas gutes Neues entstehen könne? In diesem Audio-Essay eröffnet der Lyriker, Essayist und Politikwissenschaftler Max Czollek eine neue, provokative Perspektive auf die Figur Joseph Beuys.

Max Czollek ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Mitherausgeber der Zeitschrift »Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart«. Als eine der wichtigsten jüdischen Stimmen im kulturellen und politischen Diskurs Deutschlands ist er an dem interessiert, was hinter der spezifisch deutschen Wahrnehmung von Joseph Beuys und seiner Kunst liegt: Eine Form des Vergessens, wie er sagt, die sich im Wunsch nach der Autonomie des Kunstwerks ausdrückt. Eine überraschende Analyse der verschworenen Dreiecksbeziehung zwischen dem Künstler Joseph Beuys, seiner Kunst und seinem postnationalsozialistischen deutschen Publikum.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021«

Francesca Blandino 14. jul 2021

Joseph Beuys. Die Zeit der Kunst ist die Zeit der Revolution, auch heute [en]

Von seinem ersten Aufenthalt in Neapel an spürte Beuys eine tiefe Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen. »Hier fühle ich mich richtig wohl«, schwärmte er 1971 anlässlich seiner ersten Ausstellung in Neapel.

In dieser Folge von »Die Erde spricht« tauscht sich die neapolitanische Kunsthistorikerin und Kuratorin Francesca Blandino mit Persönlichkeiten der neapolitanischen Kunst- und Kulturszene aus, mit Menschen, die Beuys in Neapel selbst erleben durften. Zum Beispiel mit Guiseppe Morra, dem Gründer der Fondazione Morra. Oder mit dem neapolitanischen Filmemacher Mario Franco. Zudem befragt Francesca Blandino die zeitgenössischen neapolitanischen Künstler*innen Raffaela Naldi Rossano und Antonio della Corte zu dem Einfluss, den Joseph Beuys auf sie ausübt. Eine Untersuchung der Verbindung zwischen Joseph Beuys und Neapel.

diese sendung ist eine produktion des goethe instituts in kooperation mit »beuys 2021«

an paenhuysen  7. jul 2021

Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an [de]

»Warum glaubt man, dass etwas tief ist, weil es ernst ist?« – diesem grundlegenden Missverständnis geht die in Berlin lebende belgische Autorin und Kunstkritikerin An Paenhuysen in dieser Episode von »Die Erde spricht« nach. Ob im Gespräch mit den Künstlern Wolfgang Müller und Daniel Chluba vor Kunstwerken von Joseph Beuys oder in kurzen Geschichten aus ihrem Alltag als Kunstvermittlerin im Hamburger Bahnhof in Berlin: Die These, dass Tiefe und Witz sich keinesfalls ausschließen – auch und gerade in der Kunst nicht – wird von allen möglichen Seiten beleuchtet. Ein Versuch über das politische, philosophische und künstlerische Potenzial von Unsinn und Dilettantismus.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021«

andreas treske und aras ozgun  30. jun 2021

YAĞ (FAT) [en]

In Beuys' Werken und seiner Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen erscheint Euroasia als utopisches Konzept, das Europa und Asien als gemeinsame Einheit versteht, und mit einer nomadischen Lebensweise assoziiert. Dabei treffen kulturelle und materiellen Analogien wie Gegensätze immer wieder aufeinander – Krieg und Heilung, das Stahlflugzeug und der Kokon aus weichem Filz oder moderne Wissenschaft und schamanisches Wissen. In dieser Folge sollen diese anhand von Klangbildern, Sound-Samples, gesprochenen Texten und Collagen aus Sprachaufnahmen untersucht werden.
Diese Sendung ist eine Produktion des Goethe instituts in kooperation mit »beuys 2021«

Fatma Aydemir 23. jun 2021

Scheindemokratie überall? Die Kunst und ihr Verhältnis zur Machtkritik [de]

Mit seiner Vorstellung, eine bessere Gesellschaft von der Kunst her zu imaginieren, steht Beuys in der Tradition der Dadaisten, der Surrealisten und der Situationisten. Sein Mitmischen auf realpolitischen Bühnen wirft aber die Frage auf, ob er dann nicht auch in realpolitischen Traditionen einzuordnen sei.

Vor diesem Hintergrund diskutiert die Schriftstellerin und Journalistin Fatma Aydemir mit den Künstler/innen Leyla Yenirce und Fabian Bechtle in dieser Folge von »Die Erde spricht« über den Politikbegriff von Beuys. Beuys, der von »Scheindemokratie« und einer »Verfilzung« der »Macht des Staates mit der Macht des Geldes« sprach, bekäme für diese Parole, so die Annahme, noch heute viel Zustimmung.

Gemeinsam überlegen Aydemir, Yenirce und Bechtle, weshalb vielerorts eine Nähe zwischen Beuys Begriff der »Scheindemokratie« und der Rhetorik der gegenwärtigen Querdenker-Bewegung thematisiert wird – und wie Künstler und Künstlerinnen heute den offensichtlichen Schwachstellen unserer Demokratie entgegenwirken können, ohne in Muster antimoderner Mythen zu verfallen.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021« 

Juanita Fernandez 16. jun 2021

2 kreuze [en]

In dieser Podcast-Episode beschäftigt sich Juanita Fernandez mit der politischen Symbolik von Beuys' geteiltem Kreuz: als zu überwindende Uneinigkeit. Sie betrachtet die Dinge aus ihrer Perspektive als in Uruguay lebende Klang- und Konzeptkünstlerin. So wie Beuys stets bestrebt war, das Denken aller seiner Vorgänger zu erweitern, so beginnt Juanita Fernandez mit einer Erweiterung der Beuys'schen Symbolik. Sie setzt die Idee des Kreuzes in Beziehung zu ihren Erfahrungen im Alltag in Montevideo: zu den Geräuschen und Sehenswürdigkeiten, den Menschen und Tieren, den Legenden und Symbolen, den Geschichten und Himmeln und Sternen. Aus ihrer Befragung, einer ebenso poetischen wie politischen Erkundung, entsteht eine reich assoziative Klanglandschaft.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« 

ralf schlüter 9. jun 2021

»jeder mensch ist ein künstler« [de]

»Jeder Mensch ist ein Künstler« – Der wohl berühmteste Satz von Beuys ist anscheinend zugleich sein am gründlichsten missverstandener.

In dieser Folge geht der Kulturjournalist Ralf Schlüter diesem Missverständnis auf den Grund. Zugleich wirft er einen Blick in die unmittelbare Zukunft: konkret auf die documenta in Kassel. Im Jahr 2022 wird dieses für Beuys einst so wichtige Forum von dem indonesischen Künstlerkollektiv runagrupa kuratiert. Und ruangrupa hat bisher keine Einzelkünstler*innen eingeladen, sondern andere Kunstkollektive – der Schwerpunkt liegt in Kassel 2022 also auf der Gemeinschaft; die künstlerische Kreativität wird dort zur Ressource, die nach sozialen Gesichtspunkten verteilt wird

Deutet sich hier eine Aktualisierung und Radikalisierung von Beuys’ Diktum über das universale Künstlertum an? Liegt die Zukunft der Kunst im Kollektiv? Über diese Fragen sprechen in diesem Podcast Ralf Schlüter und Filomeno Fusco mit zwei Mitgliedern der Gruppe runagrupa, Iswanto Hartono und Reza Afisina.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021« .

DJ sniff 2. jun 2021

Sounds of Eurasia – Zur Konstruktion eines Netzwerk durch Beuys/voice mail [en]

Für Beuys war EURASIEN ein imaginärer Ort, ein fruchtbarer Denkraum, in dem die Kluft zwischen Ost und West, zwischen Intuition und Rationalität und unzählige andere uns prägende binäre Oppositionen zu überwinden seien.

Für DJ Sniff, einen in Tokio lebenden Musiker aus LA, ist das heutige Eurasien ebenfalls ein Ort, der zugleich real und imaginär ist. Eingeladen vom Goethe-Institut in Tokio, um an dem spartenübergreifenden Kunstprojekt »Beuys on/off« teilzunehmen, setzt er sich kritisch mit Beuys’ utopischem Konzept von EURASIEN auseinander. Da der Beginn der Pandemie mit seinem Vorhaben zusammenfiel, arbeitet er von seiner Wohnung in Tokio aus, anstatt durch die Region zu reisen. So konzentriert er sich auf Stimmen, Musik, Geräusche und andere materielle Spuren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wer Beuys war, wie sich sein Werk im Laufe der Zeit überliefert und verändert – und vor allem dafür, was Eurasien ist, was es sein oder werden könnte.

In der vierten Episode von »die erde spricht« erkundet DJ Sniff die Klänge und Ideen von Beuys, wie sie auf Schallplatten überleben. Diese setzt er ins Verhältnis zu seiner eigenen Musik und den Klangwelten seines Alltags. Schallplatten als Objekte und Vehikel dienen ihm dabei als Ausgangspunkt, um über das Musikgeschäft und das Geschäft des Musikmachens zu reflektieren. Beide versteht er dabei als soziale Praktiken, die Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen – auch, oder vielleicht gerade, während einer Pandemie.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« .

künstlerkollektiv orta 26. mai 2021

7000 Pyramiden von beuys [en]

Eine Möglichkeit, sich mit den Ideen von Joseph Beuys auseinanderzusetzen, ist es, für einen Moment Beuys zu sein – oder zu ihm zu werden –, in seine Fußstapfen zu treten oder seine Gedanken zu denken, seine ritualisierten Bewegungen nachzuahmen oder seine Zeichnungen oder Reisen nachzuvollziehen.

In Folge drei von »Die Erde spricht« sucht ORTA, ein Künstlerkollektiv mit Sitz in der kasachischen Hauptstadt Almaty, Zugang zu Beuys durch seine Augen und seine Mythen. Nicht durch seine Worte, nicht durch seine Werke, sondern durch das Leiden, das er ausstrahlt und den Schmerz, den er zu transformieren scheint. Die Gruppe bildender Künstler, Schauspieler, Denker und Forscher, die sich für höhere Sphären und Themen universeller Tragweite interessiert, nähert sich den Ideen und Ambitionen von Joseph Beuys auf poetische Weise.

In einer speziellen Session mit dem Titel »Fragile Orchestra« hören Sie die Mitglieder von ORTA sprechen, singen und auf verschiedenen, teils neu erfundenen Instrumenten spielen. Sie kreieren damit ein fragiles musikalisches Konzert, welches spontan aus dem Thema entsteht, über das sie nachdenken – in diesem Fall: Beuys und sein Vermächtnis.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« .

anna bromley 19. Mai 2021

ein neues organ schaffen – Soziale Medien mit Beuys? [de]

»Ich bin dafür, daß der Mensch sich ein ganz neues Organ schafft«, so Joseph Beuys 1975. Dieses neue Organ würde den menschlichen Organismus versorgen – und zwar mit Formen eines heilenden Sich-Aussprechens. Wie würde Beuys also Clubhouse gefallen? Oder Twitter? Auf welche Posts würde er reagieren? Mit seinem Konzept einer offenen sozialen Plastik forderte Beuys mehr Mitsprache und Teilhabe ein. Das tat er auch unter dem Eindruck partizipativer Medienprojekte seiner Zeit – kollektiver Videowerkstätten, freie Zeitungen und Radiosender. Bieten die sozialen Medien heute geeignete Plattformen für ein solches vielstimmiges 'Sprechen von unten'?

Wenn Beuys über sein Kunst- und Politikideal nachdachte, dann zeichnete er oft. Sich etwas mit Bleistift, Tusche und Aquarell zu visualisieren, das war eine Art des Nachdenkens für ihn. Weil sich Stift und Papier in die Jackentasche stecken lassen, konnte er seine Überlegungen buchstäblich auf Schritt und Tritt festhalten und anderen zeigen. In den Siebzigern beginnen sich seine Zeichnungen mit Schlüsselworten zu füllen, die ihn sowohl künstlerisch als auch politisch interessieren. Zu ihnen gehören Begriffspaare, wie Sender/Empfänger oder Sehen/Hören, zu denen er auch frei schwebende Worte gruppiert, wie Entladung. Aus hunderten von Beuys-Zeichnungen hat die Künstlerin und Autorin Anna Bromley drei ausgewählt, die für ein mediales Mitreden aus heutiger Perspektive spannend sind. An ihren Linien, Flächen und Stichworten entlang unternimmt sie eine auditive Exkursion zu heutigen (Alltags-)Expert*innen eines »Sprechens von unten«.

diese sendung ist eine kooperation von wdr mit dem goethe-institut und »beuys 2021« . mit: aylin esener, maren heltsche, nele heise und anna bromley; technische realisierung: daniel maas und kerstin grimm-franken, inszeniert von anna bromley.

benjamin hasselhorn 13. mai 2021

die ganze wirklichkeit – braucht demokratie mythen? [de]

Beuys hat sich selbst als Märchenerzähler bezeichnet und einen unbefangenen Umgang mit Mythen gepflegt. Aber sind Mythen nicht problematisch oder sogar gefährlich, vor allem wenn sie politisch werden? Wieso werden wir auch im 21. Jahrhundert die Mythen nicht los? Und wie können wir konstruktiv damit umgehen? Fett und Filz, deutsche Eichen und Schamanismus – Joseph Beuys hat sich in seinem Werk und seiner Selbstdarstellung immer wieder an Mythen und archaischen Formen bedient. Das hat ihm ebenso oft Kritik eingebracht – als völkischer Esoteriker, Pseudo-Mystiker, manipulativer Selbstdarsteller. Denn ist der Mythos nicht eine irrationale, latent verfälschende Darstellung der Vergangenheit – oft mit fatalen Folgen für die Gegenwart? Der Historiker Benjamin Hasselhorn nimmt die Kontroverse um Beuys‘ Umgang mit Mythen zum Ausgangspunkt für grundsätzliche Überlegungen zum Thema Mythos und Mythenbildung. Auf welche Bedürfnisse der Menschen antworten Mythen? Braucht es Mythen in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft? Und wenn ja – welche?

Von: Benjamin Hasselhorn, Technische Realisation: Werner Jäger, Regie: Thomas Werner, Produktion: WDR in Kooperation mit »beuys 2021«

anna bromley 12. mai 2021

bonusFeature: Anna Bromley – Waves and Commons [en]

Italien, 1975. Sozialpolitische Kämpfe lösen eine »Radiowellenrevolte« aus. Per Gesetz werden die Frequenzen zum Allgemeingut erklärt. In den 1970er Jahren arbeitet Beuys intensiv in Italien. So ist er ein »Ohrenzeuge« der neuen »radios di movimento«. Wenig später sind unautorisierte »Freie Radios« auch in Beuys’ Nachbarschaft in der Bundesrepublik aktiv. Natürlich war das Aufkommen von selbstorganisierten Radiosendern weder auf die Siebziger noch auf Mitteleuropa beschränkt. Bis heute erfinden Radioaktivisten ihre eigenen, nicht selten klandestinen »Common Waves« – sei es in Deutschland, Israel, Italien, Ungarn, Südafrika oder der Türkei.

Mit: Tanja Bosch, Ieva Gudaityte, Bodo K. and Uli K. (Radio Fledermaus), Alex Körner, Ilksen Mavituna, Liav Mizrahi, and Matteo Spanó. Sprecher:innen: Anna Bromley, Daniel Brunet and Sybella Perry. Voice over: Podcastproduzenten. Technische Realisierung: Anna Bromley, Michael Fesca and Manfred Miersch

Der Podcast enthält: »Location Determination Difficulties«, Radiostück von Anna Bromley 2020 & »Speaking in the Present«, Performative Lesung mit Caroline Adler, Salwa Aleryani, Chiara Dazi, Michael Fesca, Moritz Gansen, Chris Glee, Sönke Hallmann, Ulrike Jordan, Eylem Sengezer, Merve Ünsal, and Jo Zahn. Anna Bromley 2019.

trailer 12. mai 2021

»die erde spricht«: der podcast zu »beuys 2021. 100 jahre joseph beuys« [de]