»die erde spricht«

was sagt uns joseph beuys heute?

Wie wird Joseph Beuys im Jahr 2021 bewertet? Wie werden seine Ideen zu Kunst, Kapitalismus, Demokratie und Klima in unterschiedlichen Kulturräumen aufgenommen? Sind seine Ideen durch seine Selbstmythologisierung kompromittiert? Spielt er für die heutige Generation von Künstler*innen überhaupt eine Rolle? 10 Stimmen von namhaften Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Schriftsteller*innen aus Deutschland sowie Aktivist*innen, DJs, Künstler*innen aus 14 verschiedenen Ländern weltweit bieten Antworten auf diese Fragen sowohl aus deutscher als auch aus internationaler Perspektive. Die neue Podcastfolgen erscheinen wöchentlich. Hören können Sie diesen Podcast überall, wo es gute Podcasts gibt, zum Beispiel bei Apple Podcasts, Google Podcasts, bei Amazon Music oder Deezer. Und dort können Sie uns auch abonnieren.

Die Produktion des Podcasts ist eine Kooperation zwischen »beuys2021« unter kuratorischer Leitung von Catherine Nichols (für die deutschen Folgen) und dem Goethe-Institut (für die internationalen Folgen). Die ersten zwei Folgen entstanden in Kooperation mit dem WDR.

Media Accordion
trailer 12. mai 2021

»die erde spricht«: der podcast zu »beuys 2021. 100 jahre joseph beuys« [de]

anna bromley 12. mai 2021

bonusFeature: Anna Bromley – Waves and Commons [en]

Italien, 1975. Sozialpolitische Kämpfe lösen eine »Radiowellenrevolte« aus. Per Gesetz werden die Frequenzen zum Allgemeingut erklärt. In den 1970er Jahren arbeitet Beuys intensiv in Italien. So ist er ein »Ohrenzeuge« der neuen »radios di movimento«. Wenig später sind unautorisierte »Freie Radios« auch in Beuys’ Nachbarschaft in der Bundesrepublik aktiv. Natürlich war das Aufkommen von selbstorganisierten Radiosendern weder auf die Siebziger noch auf Mitteleuropa beschränkt. Bis heute erfinden Radioaktivisten ihre eigenen, nicht selten klandestinen »Common Waves« – sei es in Deutschland, Israel, Italien, Ungarn, Südafrika oder der Türkei.

Mit: Tanja Bosch, Ieva Gudaityte, Bodo K. and Uli K. (Radio Fledermaus), Alex Körner, Ilksen Mavituna, Liav Mizrahi, and Matteo Spanó. Sprecher:innen: Anna Bromley, Daniel Brunet and Sybella Perry. Voice over: Podcastproduzenten. Technische Realisierung: Anna Bromley, Michael Fesca and Manfred Miersch

Der Podcast enthält: »Location Determination Difficulties«, Radiostück von Anna Bromley 2020 & »Speaking in the Present«, Performative Lesung mit Caroline Adler, Salwa Aleryani, Chiara Dazi, Michael Fesca, Moritz Gansen, Chris Glee, Sönke Hallmann, Ulrike Jordan, Eylem Sengezer, Merve Ünsal, and Jo Zahn. Anna Bromley 2019.

benjamin hasselhorn 13. mai 2021

die ganze wirklichkeit – braucht demokratie mythen? [de]

Beuys hat sich selbst als Märchenerzähler bezeichnet und einen unbefangenen Umgang mit Mythen gepflegt. Aber sind Mythen nicht problematisch oder sogar gefährlich, vor allem wenn sie politisch werden? Wieso werden wir auch im 21. Jahrhundert die Mythen nicht los? Und wie können wir konstruktiv damit umgehen? Fett und Filz, deutsche Eichen und Schamanismus – Joseph Beuys hat sich in seinem Werk und seiner Selbstdarstellung immer wieder an Mythen und archaischen Formen bedient. Das hat ihm ebenso oft Kritik eingebracht – als völkischer Esoteriker, Pseudo-Mystiker, manipulativer Selbstdarsteller. Denn ist der Mythos nicht eine irrationale, latent verfälschende Darstellung der Vergangenheit – oft mit fatalen Folgen für die Gegenwart? Der Historiker Benjamin Hasselhorn nimmt die Kontroverse um Beuys‘ Umgang mit Mythen zum Ausgangspunkt für grundsätzliche Überlegungen zum Thema Mythos und Mythenbildung. Auf welche Bedürfnisse der Menschen antworten Mythen? Braucht es Mythen in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft? Und wenn ja – welche?

Von: Benjamin Hasselhorn, Technische Realisation: Werner Jäger, Regie: Thomas Werner, Produktion: WDR in Kooperation mit »beuys 2021«

anna bromley 19. Mai 2021

ein neues organ schaffen – Soziale Medien mit Beuys? [de]

»Ich bin dafür, daß der Mensch sich ein ganz neues Organ schafft«, so Joseph Beuys 1975. Dieses neue Organ würde den menschlichen Organismus versorgen – und zwar mit Formen eines heilenden Sich-Aussprechens. Wie würde Beuys also Clubhouse gefallen? Oder Twitter? Auf welche Posts würde er reagieren? Mit seinem Konzept einer offenen sozialen Plastik forderte Beuys mehr Mitsprache und Teilhabe ein. Das tat er auch unter dem Eindruck partizipativer Medienprojekte seiner Zeit – kollektiver Videowerkstätten, freie Zeitungen und Radiosender. Bieten die sozialen Medien heute geeignete Plattformen für ein solches vielstimmiges 'Sprechen von unten'?

Wenn Beuys über sein Kunst- und Politikideal nachdachte, dann zeichnete er oft. Sich etwas mit Bleistift, Tusche und Aquarell zu visualisieren, das war eine Art des Nachdenkens für ihn. Weil sich Stift und Papier in die Jackentasche stecken lassen, konnte er seine Überlegungen buchstäblich auf Schritt und Tritt festhalten und anderen zeigen. In den Siebzigern beginnen sich seine Zeichnungen mit Schlüsselworten zu füllen, die ihn sowohl künstlerisch als auch politisch interessieren. Zu ihnen gehören Begriffspaare, wie Sender/Empfänger oder Sehen/Hören, zu denen er auch frei schwebende Worte gruppiert, wie Entladung. Aus hunderten von Beuys-Zeichnungen hat die Künstlerin und Autorin Anna Bromley drei ausgewählt, die für ein mediales Mitreden aus heutiger Perspektive spannend sind. An ihren Linien, Flächen und Stichworten entlang unternimmt sie eine auditive Exkursion zu heutigen (Alltags-)Expert*innen eines »Sprechens von unten«.

diese sendung ist eine kooperation von wdr mit dem goethe-institut und »beuys 2021« . mit: aylin esener, maren heltsche, nele heise und anna bromley; technische realisierung: daniel maas und kerstin grimm-franken, inszeniert von anna bromley.

künstlerkollektiv orta 26. mai 2021

7000 Pyramiden von beuys [en]

Eine Möglichkeit, sich mit den Ideen von Joseph Beuys auseinanderzusetzen, ist es, für einen Moment Beuys zu sein – oder zu ihm zu werden –, in seine Fußstapfen zu treten oder seine Gedanken zu denken, seine ritualisierten Bewegungen nachzuahmen oder seine Zeichnungen oder Reisen nachzuvollziehen.

In Folge drei von »Die Erde spricht« sucht ORTA, ein Künstlerkollektiv mit Sitz in der kasachischen Hauptstadt Almaty, Zugang zu Beuys durch seine Augen und seine Mythen. Nicht durch seine Worte, nicht durch seine Werke, sondern durch das Leiden, das er ausstrahlt und den Schmerz, den er zu transformieren scheint. Die Gruppe bildender Künstler, Schauspieler, Denker und Forscher, die sich für höhere Sphären und Themen universeller Tragweite interessiert, nähert sich den Ideen und Ambitionen von Joseph Beuys auf poetische Weise.

In einer speziellen Session mit dem Titel »Fragile Orchestra« hören Sie die Mitglieder von ORTA sprechen, singen und auf verschiedenen, teils neu erfundenen Instrumenten spielen. Sie kreieren damit ein fragiles musikalisches Konzert, welches spontan aus dem Thema entsteht, über das sie nachdenken – in diesem Fall: Beuys und sein Vermächtnis.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« .

DJ sniff 2. jun 2021

Sounds of Eurasia – Zur Konstruktion eines Netzwerk durch Beuys/voice mail [en]

Für Beuys war EURASIEN ein imaginärer Ort, ein fruchtbarer Denkraum, in dem die Kluft zwischen Ost und West, zwischen Intuition und Rationalität und unzählige andere uns prägende binäre Oppositionen zu überwinden seien.

Für DJ Sniff, einen in Tokio lebenden Musiker aus LA, ist das heutige Eurasien ebenfalls ein Ort, der zugleich real und imaginär ist. Eingeladen vom Goethe-Institut in Tokio, um an dem spartenübergreifenden Kunstprojekt »Beuys on/off« teilzunehmen, setzt er sich kritisch mit Beuys’ utopischem Konzept von EURASIEN auseinander. Da der Beginn der Pandemie mit seinem Vorhaben zusammenfiel, arbeitet er von seiner Wohnung in Tokio aus, anstatt durch die Region zu reisen. So konzentriert er sich auf Stimmen, Musik, Geräusche und andere materielle Spuren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wer Beuys war, wie sich sein Werk im Laufe der Zeit überliefert und verändert – und vor allem dafür, was Eurasien ist, was es sein oder werden könnte.

In der vierten Episode von »die erde spricht« erkundet DJ Sniff die Klänge und Ideen von Beuys, wie sie auf Schallplatten überleben. Diese setzt er ins Verhältnis zu seiner eigenen Musik und den Klangwelten seines Alltags. Schallplatten als Objekte und Vehikel dienen ihm dabei als Ausgangspunkt, um über das Musikgeschäft und das Geschäft des Musikmachens zu reflektieren. Beide versteht er dabei als soziale Praktiken, die Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen – auch, oder vielleicht gerade, während einer Pandemie.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021« .

ralf schlüter 9. jun 2021

»jeder mensch ist ein künstler« [de]

»Jeder Mensch ist ein Künstler« – Der wohl berühmteste Satz von Beuys ist anscheinend zugleich sein am gründlichsten missverstandener.

In dieser Folge geht der Kulturjournalist Ralf Schlüter diesem Missverständnis auf den Grund. Zugleich wirft er einen Blick in die unmittelbare Zukunft: konkret auf die documenta in Kassel. Im Jahr 2022 wird dieses für Beuys einst so wichtige Forum von dem indonesischen Künstlerkollektiv runagrupa kuratiert. Und ruangrupa hat bisher keine Einzelkünstler*innen eingeladen, sondern andere Kunstkollektive – der Schwerpunkt liegt in Kassel 2022 also auf der Gemeinschaft; die künstlerische Kreativität wird dort zur Ressource, die nach sozialen Gesichtspunkten verteilt wird

Deutet sich hier eine Aktualisierung und Radikalisierung von Beuys’ Diktum über das universale Künstlertum an? Liegt die Zukunft der Kunst im Kollektiv? Über diese Fragen sprechen in diesem Podcast Ralf Schlüter und Filomeno Fusco mit zwei Mitgliedern der Gruppe runagrupa, Iswanto Hartono und Reza Afisina.

diese sendung ist eine produktion von »beuys 2021« .

Juanita Fernandez 17. jun 2021

2 crosses [en]

In dieser Podcast-Episode beschäftigt sich Juanita Fernandez mit der politischen Symbolik von Beuys' geteiltem Kreuz: als zu überwindende Uneinigkeit. Sie betrachtet die Dinge aus ihrer Perspektive als in Uruguay lebende Klang- und Konzeptkünstlerin. So wie Beuys stets bestrebt war, das Denken aller seiner Vorgänger zu erweitern, so beginnt Juanita Fernandez mit einer Erweiterung der Beuys'schen Symbolik. Sie setzt die Idee des Kreuzes in Beziehung zu ihren Erfahrungen im Alltag in Montevideo: zu den Geräuschen und Sehenswürdigkeiten, den Menschen und Tieren, den Legenden und Symbolen, den Geschichten und Himmeln und Sternen. Aus ihrer Befragung, einer ebenso poetischen wie politischen Erkundung, entsteht eine reich assoziative Klanglandschaft.

diese sendung ist eine produktion des goethe-institut in kooperation mit  »beuys 2021«